Borussia Dortmund | 1. Bundesliga

Top-Elf-Prog­no­se: Borussia Dortmund im Check

03.08.2026 - 16:30 Uhr Gemeldet von: Ali Nikkhouy | Autor: Ali Nikkhouy

In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf Borussia Dortmund. Seit dem Amtsantritt von Niko Kovač Anfang 2025 hat sich das Gesicht des BVB spürbar verändert: Basis dieses Erfolgs ist ein 3-4-2-1-System, das voll auf eine kompakte Defensive, hohe Intensität und Effizienz setzt. Der Lohn für diesen pragmatischen Ansatz war eine stabile Saison, die den Dortmundern mit der besten Abwehr der Liga – noch vor Meister Bayern – souverän die Vizemeisterschaft einbrachte. Mit genau diesem kontrollierten und disziplinierten Fußball ist auch in der neuen Spielzeit fest zu rechnen.

Ganz ohne Fragezeichen geht die Borussia allerdings nicht in die kommenden Monate, was etwa die Zusammensetzung der Offensivreihe betrifft. In der Defensive kämpft das Talent Joane Gadou (19) um einen Stammplatz, während der Verbleib von Innenverteidiger Nico Schlotterbeck inzwischen deutlich wahrscheinlicher geworden ist. Auch im Sturm um Top-Torjäger Serhou Guirassy könnte es noch Bewegung auf dem Transfermarkt geben.

Trotz dieser potenziellen personellen Verschiebungen bleibt das taktische Fundament unter Kovač bestehen.

Torwart: Der unangefochtene Rückhalt


Top-Elf: Gregor Kobel (28)
Zwischen den Pfosten herrscht beim BVB Klarheit. Bleibt Kobel vertragsgemäß (Laufzeit bis 2028) an Bord, gibt es auf der Linie absolut keine Diskussionen. Der Schweizer gehört im Gesamtpaket zu den besten Torhütern der Bundesliga.

Abwehr: Schlägt das 20-Millionen-Juwel direkt ein?


Rechter Innenverteidiger: Joane Gadou (19) | Alternative: Ramy Bensebaini (31)
Für das französische Defensiv-Juwel Gadou hat der BVB tief in die Tasche gegriffen und knapp 20 Millionen Euro an RB Salzburg überwiesen. Mit seinem Tempo, seiner Zweikampfhärte und seinem progressiven Aufbauspiel bringt der 1,95-Meter-Hüne das perfekte Profil für die halbrechte Position der Dreierkette mit. Da er den Nachweis seiner Qualitäten auf Top-Niveau aber erst noch erbringen muss, steht Routinier Bensebaini als Alternative parat. Rutscht Bensebaini rein, würde dieser nach links rücken, während Waldemar Anton nach rechts und Nico Schlotterbeck ins Zentrum geht – eine Variante, die sich schon in der Vorsaison bewährte. Bensebaini bleibt zudem als Elfmeterschütze und bei Standards sehr wichtig.

Zentraler Innenverteidiger: Waldemar Anton (30)
Anton ist im Abwehrzentrum felsenfest gesetzt. Der Nationalspieler war in der abgelaufenen Spielzeit der wohl konstanteste Dortmunder und hat sich als unumstrittener Chef der Dreierkette etabliert. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der BVB die wenigsten Gegentore der gesamten Liga schlucken musste.

Linker Innenverteidiger: Nico Schlotterbeck (26)
Mit seinem starken linken Fuß, seiner Leader-Mentalität und seinen präzisen Diagonalbällen ist Schlotterbeck die ideale Besetzung auf Halblinks. Kovač nutzt Schlotterbecks Eröffnung regelmäßig, um das Spiel tief aus der eigenen Kette schnell zu machen. Seine Ausstiegsklausel ist inzwischen abgelaufen, womit ein Wechsel in diesem Sommer deutlich unwahrscheinlicher geworden ist. Allerdings zog sich der Innenverteidiger bei der Weltmeisterschaft einen Innenbandriss im Sprunggelenk zu. Sport-Geschäftsführer Lars Ricken bestätigte inzwischen, dass Schlotterbeck die ersten Pflichtspiele der neuen Saison verpassen wird. Nach Angaben der WAZ hofft der BVB auf eine Rückkehr rund um die erste Länderspielpause Ende September.

Mittelfeld & Schiene: Ein Assist-König und das Fragezeichen auf der Sechs


Rechte Schiene: Julian Ryerson (28)
Sofern mögliche Interessenten im Sommer nicht Ernst machen, bleibt der Norweger auf der rechten Außenbahn gesetzt. Unter Kovač blühte Ryerson regelrecht auf und fütterte die Offensive unaufhörlich: Ein wichtiger Grund für seine überragenden 15 Bundesliga-Vorlagen waren dabei seine gefährlichen Standards, die sich zu einer echten Dortmunder Waffe entwickelt haben. Mit diesem Fabelwert schaffte er es auf den 2. Platz in der Assist-Rangliste der Liga – ein Wert, den quasi nur ein außerirdischer Michael Olise toppte.

Defensives Mittelfeld: Jobe Bellingham (20) | Alternative: Marcel Sabitzer (32)
Ein teurer externer Neuzugang für die Sechser-Position ist vorerst vom Tisch: Da der BVB den Fokus und die finanziellen Mittel – wie von Book klargestellt – primär auf zwei Neuzugänge in der Offensive richtet, wird auf der Sechs nicht noch zusätzlich eine hohe Summe für eine neue Stammkraft investiert. Eine externe Verpflichtung auf BVB-Niveau wäre auf dieser Position schlichtweg zu teuer.

Das bedeutet, dass die Aufgaben im defensiven Mittelfeld vorrangig aus dem bestehenden Kader heraus gelöst werden müssen. Neben Felix Nmecha, der seine Qualitäten eigentlich vermehrt in offensiveren Zonen einbringen soll, rücken damit die weiteren internen Optionen in den Fokus: Bellingham brauchte Anlaufzeit und konnte trotz ansteigender Formkurve noch keinen dauerhaften Startelf-Anspruch untermauern. Sabitzer wiederum geht in sein letztes Vertragsjahr (eine Verlängerung zeichnet sich derzeit eher nicht ab), genießt bei Kovač wegen seiner taktischen Disziplin aber weiterhin hohes Ansehen.

Zentrales Mittelfeld: Felix Nmecha (25)
Nmecha ist das unantastbare Herz des Dortmunder Mittelfelds. Der Nationalspieler bringt schlicht alles mit, was ein moderner Box-to-box-Spieler braucht: Physis, Tempo, hohe Qualität mit dem Ball am Fuß und enorme Torgefahr im Abschluss. Dass Julian Nagelsmann trotz der Verletzungshistorie des 25-Jährigen nicht auf dessen WM-Nominierung verzichten konnte, unterstreicht seinen Stellenwert. Bei der Weltmeisterschaft hat Nmecha das in ihn gesetzte Vertrauen mit guten Leistungen bestätigt. Diese haben zwar auch das Interesse anderer Klubs geweckt, der BVB plant jedoch weiter fest mit dem 25-Jährigen, der auch in der kommenden Saison die Fäden im Mittelfeld ziehen soll.

Linke Schiene: Daniel Svensson (24) | Alternative: Maximilian Beier (23)
Auf der linken Schiene ist Svensson keineswegs uneingeschränkt gesetzt – insbesondere gegen tiefstehende Gegner, die eigenen Ballbesitz und spielerische Lösungen erfordern. Nach einem bärenstarken Start baute er in der Rückrunde ab und musste seinen Platz immer wieder an Maximilian Beier abtreten. Zwar ist Beier von Haus aus Stürmer, doch im Ballbesitz bringt er auf der Schiene Qualitäten mit, die Svensson aktuell fehlen.

Update: Zudem soll intern bereits feststehen, dass Beier in der kommenden Saison für die Schiene eingeplant ist. Dort bietet er eine wertvolle taktische Alternative für profilbezogene Spiele. Svensson bringt trotz seiner Formprobleme am Ball als intensivster Läufer des Kaders weiterhin enorm wichtige physische und defensive Komponenten mit. Wer letztlich aufläuft, dürfte daher stark vom gegnerischen Profil abhängen.

Angriff: Zwei Neue auf den Halbpositionen


Offensives Mittelfeld: Neuzugang | Alternative: Samuele Inácio (18)
Update: Auf der linken offensive Halbposition zeichnet sich eine neue Hierarchie ab: Ein potenzieller Neuzugang wie El Mala würde hier die erste Wahl sein. Dahinter ist das italienische Offensiv-Juwel Samuele Inácio die zweite Option, während Beier vermehrt defensiver auf die Flügelbahn rückt.

Offensives Mittelfeld: Konstantinos Karetsas (18)
Update: Der Abgang von Julian Brandt riss eine Lücke, die der BVB extern geschlossen hat. Mit Konstantinos Karetsas wurde die Wunschlösung für die Brandt-Nachfolge vom KRC Genk verpflichtet. Für 30 Millionen Euro haben die Schwarz-Gelben ein entwicklungsfähiges Talent verpflichtet, das für kreative Lösungen im letzten Drittel zuständig sein wird. Von dieser Verpflichtung könnte auch Serhou Guirassy profitieren, wenn er mit ausreichend Flanken und Steckpässen gefüttert wird. Es bleibt aber abzuwarten, wie schnell sich Karetsas an die Bundesliga gewöhnt.

Stürmer: Serhou Guirassy (30) | Alternativen: Neuzugang, Fábio Silva (24)
Für Kovač ist Guirassy die absolute „Lebensversicherung“ im Sturmzentrum. Selbst während einer längeren Torflaute in der Hinrunde wich der Coach nicht von ihm ab. Wenn er bleibt, ist er absolut gesetzt – allerdings ist sein Verbleib im Sommer nicht gesichert. Sollte er gehen, muss ein neuer Top-Stürmer kommen. Silva meldet zwar Ansprüche an, wir sehen ihn im Falle eines Guirassy-Abgangs aber nicht automatisch vorne: Denn Silva benötigt für sein Spiel im besten Falle einen Partner vor sich – im Gegensatz zu Guirassy, der das Spiel mit dem Rücken zum Tor beherrscht, Räume antizipiert, Mitspieler perfekt einbindet und physisch in einer ganz anderen Liga agiert. Trotzdem bleibt Silva ein spannender Spieler, den man für die Top-Elf im Blick behalten sollte.

Fazit


Unter Kovač haben die Schwarz-Gelben ein völlig neues Gesicht dazugewonnen. Der „Kovač-Ball“ ist vielleicht nicht immer das größte Offensivfeuerwerk, erwies sich aber als extrem effektiv. Ein mittlerer Pressingblock, die Reduzierung offener Räume und kompromissloser Umschaltfußball machten die Borussia zur besten Defensive der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Damit dieses System auch in der neuen Saison greift, müssen im Transfersommer allerdings noch die letzten Weichen gestellt werden.

In der Defensive gibt es ein hochspannendes neues Gesicht: Neuzugang Gadou bringt als physisch starkes Talent enorm viel Potenzial für die rechte Innenverteidiger-Position mit. Es wird spannend zu sehen sein, wie schnell sich der Youngster im Kovač-System etablieren kann. Schlotterbeck wird den Dortmundern zum Saisonstart verletzungsbedingt allerdings fehlen – eine Rückkehr wird rund um die erste Länderspielpause Ende September angepeilt. Seine abgelaufene Ausstiegsklausel dürfte jedoch dafür sorgen, dass er dem BVB erhalten bleibt.

Auf einen teuren externen Stamm-Sechser wird wohl verzichtet, da das Budget primär in die Angriffsreihe fließt. Stattdessen müssen interne Lösungen wie Bellingham oder Sabitzer neben Nmecha greifen. Die meiste Bewegung gibt es in der Offensive: Auf den Brandt-Abgang hat der BVB mit Konstantinos Karetsas geantwortet. Der Blick richtet sich auf einen weiteren Neuzugang für die vordere Reihe (El Mala), während auch die Zukunft von Top-Stürmer Guirassy noch nicht final geklärt ist.

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Quelle: LigaInsider