In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf den Hamburger SV. Nach dem Klassenerhalt in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg wollen die Hanseaten den nächsten Schritt in der Bundesliga gehen. Trainer Merlin Polzin bleibt dabei der Architekt des eingeschlagenen Weges, steht im Sommer personell jedoch vor einigen Herausforderungen.
Vor allem das Ende der Leihen von Luka Vušković und Fábio Vieira reißt sportlich zunächst Lücken. Während Vušković inzwischen weitergezogen ist, arbeitet der HSV bei Vieira weiterhin an einer Lösung für eine erneute Zusammenarbeit. Hinzu kommen die Abschiede von Ransford Königsdörffer und Robert Glatzel im Sturm. Inzwischen hat mit Fabio Baldé ein weiterer Offensivspieler den Verein verlassen. Das Eigengewächs schloss sich dem RC Straßburg an und spülte dem HSV rund 7 Millionen Euro Ablöse in die Kasse. Mit der festen Verpflichtung von Albert Grønbæk sowie den Transfers von Martin Adeline, Bilal Nadir und Patson Daka wurden auf der anderen Seite bereits wichtige Weichen gestellt. Dennoch besteht auf mehreren Positionen weiterhin Handlungsbedarf.
Auch wenn bis zum Ende des Transferfensters noch Bewegung in den Kader kommen dürfte, lautet unser Ansatz wie gewohnt: Wie sieht die stärkste Hamburger Elf aus, die aktuell in einem Topspiel zu erwarten wäre?
Torwart: Keine Zweifel an der Nummer eins
Top-Elf: Daniel Heuer Fernandes (33)
Erst Ende Mai setzte der HSV ein klares Zeichen und verlängerte den Vertrag mit seinem Routinier vorzeitig. Sportdirektor Claus Costa sparte dabei nicht mit Lob: „Ferro hat eine starke Bundesliga-Saison gespielt und als Leistungsträger einen wesentlichen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet.“ Zwar durfte Herausforderer Sander Tangvik (23) am letzten Spieltag der Vorsaison bereits zeigen, dass er ein hochkarätiger Rückhalt ist, an Heuer Fernandes als unumstrittener Nummer eins rüttelt das aber zumindest vorerst nicht.
Abwehr: Bornauw als Lösung für die große Lücke?
Rechter Innenverteidiger: Nicolás Capaldo (27)
Der Argentinier, im vergangenen Sommer für schmale 2,1 Millionen Euro vom FC Red Bull Salzburg gekommen, entpuppte sich als absoluter Glücksgriff. Obwohl er den Großteil seiner Karriere im zentralen Mittelfeld verbrachte, überzeugte er defensiv auf der halbrechten Position in der Dreierkette. Besonders sein dynamisches Nachrücken aus dem Halbraum gab dem Hamburger Spiel ein wichtiges Element. Nach dem schmerzhaften Verlust von Abwehrchef Vušković ist Capaldos Verbleib in der hinteren Reihe für die defensive Stabilität des HSV unserer Einschätzung nach sehr wichtig.
Zentraler Innenverteidiger: Neuzugang
Der Abgang des erst 19-jährigen Top-Talents Vušković hinterlässt ein riesiges Loch. Nach dem Ende seiner Leihe ist der Kroate erst planmäßig zu Tottenham Hotspur zurückgekehrt und anschließend nach Brighton weitergezogen. Wir legen uns weiterhin fest: Auf dieser zentralen Position müssen und werden die Hamburger Bosse noch einmal hochkarätig auf dem Transfermarkt nachlegen.
Update: Inzwischen hat sich mit Sebastiaan Bornauw (27) ein klarer Kandidat für diese Rolle herauskristallisiert. Der frühere Bundesliga-Verteidiger steht beim Leeds United FC unter Vertrag und wird konkret vom HSV umworben. Nach aktuellem Stand hoffen die Hamburger in diesen Tagen auf den Durchbruch in den Gesprächen. Gelingt der Transfer, wäre Bornauw für uns der naheliegende Kandidat für den zentralen Platz in der Dreierkette und damit der Spieler hinter dem aktuell noch aufgeführten „Neuzugang“.
Linker Innenverteidiger: Jordan Torunarigha (29)
Der Linksfuß hatte zu Beginn der vergangenen Saison noch Anpassungsprobleme im Oberhaus, steigerte sich dann aber und war im Saisonendspurt aus der Dreierkette nicht mehr wegzudenken. Polzin schwärmte bereits im Januar: „Wenn man sieht, wie Jordan sich entwickelt hat und in den vergangenen Spielen performt hat, was sein Passspiel und seine Schnelligkeit angeht, dann ist er sehr, sehr wichtig für unser Spiel.“ Mit einem Vertrag bis 2028 im Rücken ist er für die neue Spielzeit fest eingeplant.
Mittelfeld & Schiene: Baustelle auf der rechten Seite
Rechte Schiene: Neuzugang | Alternative: Warmed Omari (26)
Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf. Der Vertrag von William Mikelbrencis, der trotz großer Konkurrenz auf immerhin 26 Einsätze kam, ist ausgelaufen. Bakery Jatta bekleidete die Position zwar über weite Strecken, nachdem er die ersten zwölf Spieltage gar nicht im Kader stand, wir sehen ihn für das neue Jahr aber eher in der Herausforderer-Rolle.
Es ist denkbar, dass Capaldo – wie am letzten Spieltag gegen Leverkusen – auf die Schiene rückt, was Omari den Platz in der Dreierkette bescheren würde. Da Capaldo hinten aber gebraucht wird, erwarten wir auf der rechten Schiene weiterhin vor allem einen externen Neuzugang.
Defensives Mittelfeld: Nicolai Remberg (26)
Remberg kam vor der vergangenen Saison aus Kiel und mauserte sich in Windeseile zum unverzichtbaren Stammspieler. Polzin schätzt seine Qualitäten enorm: „Bei Rambo ist es so, dass er mit sehr viel Mentalität Fußball spielt.“ Als zweikampfstarker und emsiger Sechser ist er aus der Hamburger Zentrale schlicht nicht wegzudenken und bleibt gesetzt.
Zentrales Mittelfeld: Albert Sambi Lokonga (26)
Auf dem Papier bildet Sambi Lokonga die Doppel-Sechs mit Remberg. Im Spielbetrieb interpretiert er seine Rolle jedoch offensiver als Achter. Die schmale Kaufgebühr von 300.000 Euro an Arsenal hat sich komplett ausgezahlt. Polzin lobte das Duo bereits im März: „An der Kombination im Zentrum mit Sambi und Rambo ist wenig auszusetzen, was das Verhalten mit und gegen den Ball angeht.“ Sambi Lokonga bleibt somit ein Fixpunkt.
Linke Schiene: Miro Muheim (28)
Der Schweizer war in den letzten Jahren auf der linken Seite die personifizierte Konstanz und übernimmt beim HSV viele Standards. Eigentlich ein No-Brainer für die Top-Elf, stünde da nicht ein Fragezeichen hinter seiner Zukunft: Muheim geht in sein letztes Vertragsjahr und schielt auf den nächsten Karriereschritt. Sollte er den HSV verlassen, könnte ein Ersatz verpflichtet werden, auch wenn Grønbæk auf dieser Position am Saisonende ebenfalls überzeugte, als er den verletzten Muheim vertrat. Gegenwärtig deutet sich in puncto Muheim-Abgang jedoch nichts an. Der HSV hat zudem das Thema Verlängerung auf der Agenda. Die Tendenz geht zum Verbleib. Damit ist er der gesetzte Mann auf links.
Angriff: Daka rückt ins Sturmzentrum
Offensives Mittelfeld: Neuzugang | Alternative: Martin Adeline (22)
Update: Auf der rechten offensiven Halbposition sehen wir noch Bedarf für einen Spieler mit Startelfqualität. Die naheliegendste Lösung wäre dabei ein alter Bekannter: Fábio Vieira. Nach dem Ende seiner Leihe ist der Portugiese zunächst zum Arsenal FC zurückgekehrt, der HSV arbeitet jedoch weiterhin an einer Möglichkeit, den Spielmacher erneut nach Hamburg zu holen.
Vieira war in der vergangenen Saison der kreative Fixpunkt im halbrechten Offensivraum und kennt sowohl Polzins Spielidee als auch das Umfeld bereits bestens. Sollte sich bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine tragfähige Lösung finden, können wir uns sehr gut vorstellen, dass Vieira auch in der kommenden Saison das HSV-Trikot trägt. Unsere Erwartung ist, dass die Hanseaten auf den letzten Metern der Transferperiode ihren erhofften Rabatt bekommen. Bis es tatsächlich zu einer Einigung kommt, führen wir die Position in unserer Top-Elf weiterhin als Neuzugang.
Als erste Alternative dahinter sehen wir Martin Adeline. Der 22-Jährige bringt ebenfalls Qualitäten für die offensiven Halbräume mit und könnte bei entsprechender Entwicklung im Saisonverlauf in diese Rolle hineinwachsen. Nach seinem Wechsel aus der Ligue 2 dürfte er zunächst jedoch noch etwas Zeit benötigen, um sich an das höhere Niveau und die neue Umgebung zu gewöhnen.
Offensives Mittelfeld: Albert Grønbæk (25)
Unter der Prämisse, dass Muheim bleibt, wandert der variable Däne eine Position nach vorne in den linken Halbraum. Hier kann er seine Qualitäten zwischen der Zehner- und Achterposition ausspielen. Sollte Grønbæk am Ende doch hinten links auf der Schiene gebraucht werden, entsteht hier eine Vakanz. Das 19-jährige Talent Alexander Røssing-Lelesiit wäre ein spannender Kandidat, laboriert derzeit jedoch noch an den Folgen einer langwierigen Verletzung, weshalb seine Rückkehr zu alter Stärke zeitlich noch offen ist.
Stürmer: Patson Daka (27)
Mit dem ablösefrei von Leicester City verpflichteten Daka hat der HSV einen Angreifer hinzugewonnen, der genau das Profil mitbringt, das Polzin für die Spitze gebrauchen kann. Zwar wirken seine jüngsten Zahlen mit fünf Toren in 41 Championship-Spielen ausbaufähig, sportlich bringt der Sambier aber hohes Tempo, intensive Gegenpressing-Arbeit und aggressive Tiefenläufe hinter die gegnerische Kette mit.
Der 27-Jährige ist gelernter Mittelstürmer und bietet mit seiner Dynamik ein anderes Profil als die Angreifer, die den Verein in diesem Sommer verlassen haben. Mit einem möglichen Vieira-Comeback beziehungsweise einem anderen hochwertigen Neuzugang für den rechten Halbraum wäre die Offensive zudem entsprechend ausgewogener besetzt.
Fazit
Nachdem die Hanseaten unter Trainer Polzin eine gute Premierensaison nach dem Aufstieg hinter sich haben und den Klassenerhalt am Ende sogar mit neun Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz sichern konnten, geht es nun an die Festigung für das verflixte zweite Jahr.
Die Konturen der Top-Elf sind inzwischen deutlich erkennbar. Mit Heuer Fernandes im Tor, Capaldo und Torunarigha in der Defensive, Remberg und Sambi Lokonga im Zentrum sowie Muheim, Grønbæk und Daka besitzt der HSV bereits ein stabiles Grundgerüst. Offen bleiben vor allem drei Positionen: der zentrale Platz in der Dreierkette, die rechte Schiene und der rechte offensive Halbraum.
Für die Abwehr könnte sich eine dieser Baustellen schon bald schließen. Mit Bornauw gibt es einen konkreten Kandidaten, bei dem sich die Hamburger einen zeitnahen Durchbruch erhoffen. Auf der rechten Schiene bleibt dagegen noch abzuwarten, welche Lösung die sportliche Führung präsentiert.
Offensiv richtet sich der Blick vor allem auf die Position neben Grønbæk. Eine Rückkehr von Fábio Vieira wäre aus unserer Sicht die naheliegende und qualitativ stärkste Lösung. Der Portugiese hat bereits gezeigt, wie wichtig er für das Hamburger Offensivspiel sein kann, und wir können uns weiterhin gut vorstellen, dass er auch in der kommenden Saison für den HSV aufläuft.
Finanziell hat der Verkauf von Baldé nach Straßburg zumindest zusätzlichen Spielraum gebracht. Rund 7 Millionen Euro erhält der HSV für das Eigengewächs. Entscheidend wird nun sein, ob die noch offenen Positionen qualitativ entsprechend geschlossen werden können. Daka sehen wir nach der jüngsten Anpassung jedenfalls nicht mehr auf der Halbposition, sondern als ersten Kandidaten für das Sturmzentrum.
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