In diesem Top-Elf-Check richten wir den Fokus auf den frischgebackenen Aufsteiger SC Paderborn 07. Nach dem dramatischen Relegations-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg arbeiten die Ostwestfalen weiter daran, ihren Kader gezielt für das Abenteuer Bundesliga zu verstärken. Mit Nahuel Noll wurde inzwischen bereits ein Nachfolger für Dennis Seimen gefunden, während vor allem im Mittelfeld und Sturm weiterhin Bewegung zu erwarten ist.
Nach den Erkenntnissen aus der bisherigen Vorbereitung basiert unsere Prognose aktuell auf einem 3-4-2-1. Je nach weiterer Entwicklung sind Varianten im 3-5-2 beziehungsweise 3-4-1-2 denkbar, die Trainer Ralf Kettemann je nach Gegner ohnehin flexibel interpretieren dürfte.
Torwart: Noll übernimmt für Seimen
Top-Elf: Nahuel Noll (23)
Die größte Baustelle zwischen den Pfosten hat der SCP inzwischen geschlossen. Nach der Rückkehr von Dennis Seimen zum VfB Stuttgart verpflichteten die Ostwestfalen Nahuel Noll auf Leihbasis von der TSG Hoffenheim. Der 23-Jährige bringt trotz seines jungen Alters bereits Erfahrung auf hohem Niveau mit und soll den Abgang des Erfolgsgaranten der Aufstiegssaison auffangen.
Abwehr: Konkurrenzkampf in der Dreierkette
Rechter Innenverteidiger: Marcel Hoffmeier (27)
Update: Er ist gewissermaßen der interne Neuzugang für die Bundesliga-Saison. Hoffmeier gehörte vor seinem Kreuzbandriss zu den formstärksten Paderbornern, ehe ihn die schwere Verletzung im vergangenen August außer Gefecht setzte. Nach monatelanger Reha kehrte der Defensivallrounder zu den Relegationsspielen zumindest in den Kader zurück.
Mit dem Ball am Fuß ist Hoffmeier der spielstärkste Verteidiger des SCP. Sowohl sein Passspiel als auch sein mutiges Andribbeln aus der Dreierkette verleihen dem Aufbauspiel eine zusätzliche Qualität. Dank seiner Beidfüßigkeit kann er auch problemlos nach links rüberwechseln, wie sehen ihn aktuell aber als Mann für die rechte Halbverteidigerposition.
Zentraler Innenverteidiger: Tjark Scheller (24)
Update: Der Abgang von Calvin Brackelmann zum FC Augsburg reißt eine gewaltige Lücke in die Paderborner Dreierkette – sowohl spielerisch als auch bei Standardsituationen. Hier verliert der SCP einen wichtigen Baustein.
Mit auffangen soll dieses Defizit zunächst Tjark Scheller. Der 24-Jährige knackte in der vergangenen Saison als einziger SCP-Verteidiger die Marke von 3.000 Einsatzminuten und überzeugte insbesondere in den entscheidenden Saisonspielen mit stabilen Leistungen.
Linker Innenverteidiger: Jonah Sticker (22) | Alternativen: Felix Götze (28), Jano ter Horst (24)
Update: Jonah Sticker ist mit seinem starken linken Fuß ein heißer Kandidat für die linke Halbposition. Zum Ende der Vorbereitung hin hat sich herauskristallisiert, dass er nah dran zu sein scheint an der Startelf.
An Felix Götze führte in der Vergangenheit meist kein Weg vorbei. Zwar verlief seine zweite Saison beim SCP nicht ganz so fehlerfrei wie seine Premierenspielzeit, an seiner Bedeutung für die Mannschaft änderte das allerdings wenig. Kampfgeist, Führungsqualität und Erfahrung zeichneten Götze aus und machten ihn zum Fixpunkt der Defensive.
Ob das so bleibt, ist zweifelhalft, was auch körperliche Gründe hat. Zum Saisonende bremsten ihn Adduktorenprobleme aus, weshalb er sich in der Relegation zunächst mit einer Jokerrolle begnügen musste. Auch jetzt in der Saisonvorbereitung war er mehrere Wochen außen vor. Zu allem Überfluss war Götze für die erste Runde im DFB-Pokal gesperrt – es spielte sich eine A-Elf ohne ihn ein.
Skepsis ergibt sich beim Paderborner Kapitän für die neue Saison auch dahingehend, dass er für die Bundesliga möglicherweise zu große Tempodefizite aufweist. Ein weiterer Minuspunkt für Götzes Chancen im Kampf um die Plätze ist, dass er tendenziell auf die zentrale Rolle in der Dreierkette beschränkt ist. Diesbezüglich haben einige seiner Konkurrenten Größenvorteile.
Mit Jano ter Horst kommt ein Neuzugang für die potenzielle Top-Elf ins Spiel. Mit Blick darauf, dass der SCP weitere Baustellen im Kader und nur ein kleines Budget hat, bleibt eine neuerliche Verstärkung für die Abwehr womöglich aus, sodass ter Horst seinen Hut in den Ring werfen könnte. Ursprünglich eher in der Jokerrolle in den Gedanken seines Trainers, hat sich der 24-Jährige in den Vorbereitungswochen „ins Rampenlicht gespielt“ (Kettemann).
Mit Nyamekye Awortwie-Grant steht demnächst ein weiter spannender Neuzugang vom FC Energie Cottbus bereit, der ebenfalls auf Einsatzminuten hoffen darf, sich in der Vorbereitung aber eine Verletzung zuzog, die ihn ein paar Wochen zurückwirft. Nach diesem misslungenen Einstand muss er in puncto Startelfchancen erst mal einiges aufholen.
Schiene & Mittelfeld: Baurs Abgang reißt eine Lücke
Rechte Schiene: Laurin Curda (24) | Alternativen: Neuzugang, Ruben Müller (20)
Der absolute Überflieger der Aufstiegssaison. Curda war mit 13,3 gewonnenen Duellen pro Partie der zweikampfstärkste Spieler der 2. Bundesliga, gab mannschaftsintern die meisten Torschüsse ab und krönte seine starke Saison mit dem entscheidenden Treffer in der Relegation gegen Wolfsburg.
Interesse anderer Vereine ist aber vorhanden. Insbesondere der 1. FSV Mainz 05 baggerte intensiv am Abwehrmann des Aufsteigers. Sollte es im weiteren Verlauf der Transferperiode doch noch zu einem Abschied kommen, liegt eine Ersatzverpflichtung nahe. Deshalb führen wir einen möglichen Neuzugang weiterhin als erste Alternative. Ruben Müller, Allrounder auf den Außenbahnen, steht ebenfalls als Option bereit. Bleibt Curda, führt auf der rechten Schiene allerdings kein Weg an ihm vorbei.
Defensives Mittelfeld: Santiago Castañeda (21)
Der US-Amerikaner mit kolumbianischen Wurzeln bleibt der defensive Anker im Paderborner Zentrum. Nachdem Trainer Kettemann rund um den Jahreswechsel zeitweise mehr Offensivdrang von ihm einforderte, entwickelte sich Castañeda zu einem deutlich kompletteren Mittelfeldspieler.
Trotz seiner verbesserten Präsenz nach vorne bleibt der 21-Jährige der tiefste und absichernde Part im Mittelfeld. Mit seiner Ballsicherheit, seinem Spielverständnis und seiner Balance dürfte er auch in der Bundesliga eine Schlüsselrolle einnehmen.
Zentrales Mittelfeld: Laurin Ulrich (21 )
Update: Auf dieser Position hat sich die Situation inzwischen endgültig verändert. Mika Baur hat den SC Paderborn verlassen und sich Celtic Glasgow angeschlossen. Damit verliert der Aufsteiger einen seiner wichtigsten Mittelfeldspieler der vergangenen Saison. Der 22-Jährige kam in der Aufstiegsspielzeit auf vier Tore und sechs Vorlagen und entwickelte sich unter Kettemann zum Dreh- und Angelpunkt der Zentrale.
Der Abgang bringt Paderborn auf dem Transfermarkt allerdings auch zusätzlichen Handlungsspielraum. Laut der Neuen Westfälischen liegt die fixe Ablöse bei rund 6 Millionen Euro und kann durch Bonuszahlungen auf bis zu 8 Millionen Euro anwachsen.
Es war sofort klar: Der vakante Platz neben Castañeda muss neu besetzt werden. Das ist durch die Verpflichtung von Laurin Ulrich auch bereits passiert. Die Stuttgarter Leihgabe kompensiert den Baur-Abgang. Kettemann bestätigte ebenfalls schon, dass Ulrich „für diese Rolle eingeplant“ ist.
Linke Schiene: Raphael Obermair (30)
Nachdem dem Vizekapitän im Vorjahr ein Wechsel zum 1. FC Köln verwehrt geblieben war, zählte Obermair auch in der Aufstiegssaison mit neun Scorerpunkten wieder zu den wichtigsten Offensivakteuren des SCP. Ein Achillessehnenanriss setzte ihn seit Mitte April außer Gefecht, inzwischen ist der philippinische Nationalspieler aber in die Sommervorbereitung eingestiegen.
Paderborn verfügt über eine Vertragsoption, die Obermair auch über 2027 hinaus an den Verein bindet. Entsprechend rechnen wir weiterhin fest mit dem 30-Jährigen auf der linken Schiene.
Angriff: Zeitler erhöht den Konkurrenzkampf
Offensives Mittelfeld: Albert Millgramm (21) | Alternative: Luka Đurić (23)
Update: Zu einem Gewinner der Saisonvorbereitung avancierte Albert Millgramm. Trainer Kettemann lobte insbesondere dessen Qualitäten im Eins-gegen-eins sowie seine Laufstärke. Der 21-Jährige hat sich damit in eine gute Ausgangslage für den Angriff auf die Stammelf gebracht.
Für die kreativen Momente könnte auch Luka Đurić sorgen. Der Neuzugang gehörte bei der Zweitvertretung der TSG Hoffenheim zu den auffälligsten Akteuren der vergangenen Drittligasaison und durfte bereits regelmäßig bei den Profis mittrainieren. Der Sprung in die Bundesliga ist zwar groß, doch Đurić bringt viel Potenzial mit.
Zusätzlich hat der SCP mit Deniz Zeitler noch einmal erhebliches Potenzial für die Offensive hinzugewonnen. Der Angreifer kommt für eine Saison auf Leihbasis ebenso aus dem Kraichgau. Eine Kaufoption besitzt Paderborn dem Vernehmen nach nicht. Für die Hoffenheimer U23 sammelte Zeitler in der vergangenen Drittligasaison in 38 Einsätzen starke 17 Scorerpunkte – 15 Treffer und zwei Vorlagen.
Paderborns Geschäftsführer Sport Sebastian Lange hob bei der Verpflichtung vor allem Zeitlers technische Fähigkeiten, seine Stärke im direkten Duell und seinen Zug zum Tor hervor. Damit bringt der 19-Jährige ein spannendes Profil für die offensiven Positionen mit. Ob Zeitler sein Potenzial nun auf hohem Niveau ausschöpfen kann, ist die Frage. Zahlenmäßig hat er viel Konkurrenz. Bei der prognostizierten Top-Elf bleibt er zunächst außen vor. Den Konkurrenzkampf könnte er im Saisonverlauf aber durchaus weiter verschärfen
Offensives Mittelfeld: Gabriel Vidović | Alternativen: Oliver Batista Meier (25)
Update: Mehr erstklassige Erfahrung hat demgegenüber Gabriel Vidović, der für Paderborner Verhältnisse einen beachtlichen Betrag kostete (bis zu 3 Millionen Euro). Für ihn ist zweifellos eine große Rolle vorgesehen. Nun muss er nachweisen, dass er die Erwartungen erfüllen kann.
Mit Oliver Batista Meier hat Paderborn zusätzliche Kreativität verpflichtet. Der Offensivspieler kommt mit zehn Scorerpunkten in der vergangenen Zweitliga-Saison von Preußen Münster und dürfte im letzten Drittel eine Belebung für das SCP-Spiel sein.
Stürmer: Neuzugang | Alternative: Stefano Marino (22)
Der Sturm bleibt die größte Baustelle der Ostwestfalen. Filip Bilbija wird in der kommenden Bundesliga-Saison nicht mehr für den SC Paderborn auflaufen. Der Angreifer, der mit 15 Saisontoren maßgeblichen Anteil am Aufstieg hatte, ist zum englischen Zweitligisten Derby County gewechselt.
Mit dem Verlust ihres Top-Torjägers büßen die Ostwestfalen einen wichtigen Eckpfeiler ihrer Offensive ein. Ein direkter Ersatz steht bislang noch nicht zur Verfügung, sodass bis zum Ende des Transferfensters auf dieser Position noch Bewegung zu erwarten ist.
Stefano Marino legte zwar eine vielversprechende Entwicklung hin und sammelte sechs Tore sowie zwei Vorlagen, der Sprung zur unumstrittenen Stammkraft in der Bundesliga erscheint zum jetzigen Zeitpunkt aber noch etwas groß.
Der 22-Jährige bringt zweifellos das Potenzial mit, sich perspektivisch auch im Oberhaus durchzusetzen. Nach aktuellem Stand rechnen wir jedoch weiterhin damit, dass der SCP trotz begrenzter finanzieller Mittel noch einen weiteren Stürmer mit Startelfpotenzial verpflichten möchte.
Fazit
Die größte Aufgabe für Trainer Ralf Kettemann wird darin bestehen, die richtige Balance zwischen dem mutigen Ballbesitzfußball der Aufstiegssaison und der in der Bundesliga notwendigen Kompaktheit zu finden. Mit einem 3-4-2-1 dürfte der SCP über ausreichend Stabilität verfügen, ohne seine spielerische Identität komplett aufzugeben.
Eine wichtige Personalie ist geklärt: Mit Noll wurde ein Nachfolger für Seimen gefunden, der als neue Nummer eins in die Saison gehen wird. In der Defensive steht das Grundgerüst um Scheller, Götze und Hoffmeier, während Curda auf der rechten Seite gesetzt ist, sofern es nicht doch noch zu einem Transfer kommt.
Im Mittelfeld muss Paderborn nun allerdings auf Baur verzichten. Dessen Wechsel zu Celtic bringt dem Verein zwar eine hohe Ablöse und damit zusätzlichen finanziellen Spielraum, sportlich muss sein Verlust aber aufgefangen werden. Das soll mit Ulrich gewährleistet sein.
Offensiv ist der Kader durch die Verpflichtungen von Vidović und Zeitler qualitativ stärker und breiter geworden. Die wichtigste offene Personalie bleibt somit das Sturmzentrum: Nach Bilbijas Abgang benötigt der SCP weiterhin einen Angreifer mit Startelfpotenzial. Marino bleibt bis dahin die erste interne Alternative.
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Daher seid jetzt auch ihr gefragt: Traut ihr Nahuel Noll den direkten Sprung zur Nummer eins in der Bundesliga zu? Reicht Stefano Marino bereits für die Startelf oder sollte Paderborn im Sturm unbedingt noch nachlegen? Und wie bewertet ihr die Chancen des jungen Mittelfelds um Castañeda und Đurić im Bundesliga-Oberhaus? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!
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